Christoph Kramer wirbt fürs Lesen
Ex-Nationalspieler Christoph Kramer spielt nicht nur leidenschaftlich gerne Fußball, er ist auch unter die Schriftsteller gegangen und veröffentlicht nächstes Jahr bereits seinen zweiten Roman. Am 18. November 2025 war er für eine Lesung des Literaturbüros Ruhr zu Gast am BKG. Eine Lehrerin der Schule hatte ihn bei einem Preisausschreiben „gewonnen“.
Am Tag zuvor erst spät aus Leipzig ins Ruhrgebiet zurückgekehrt, hatte Christoph Kramer doch glatt sein eigenes Buch vergessen: „Damals wie heute“ meinte er lachend „das ist eben Schule!“
In den folgenden 90 Minuten lauschten die Zuhörer, Veranstaltungstechniker und Elektriker sowie Pressevertreter und Lehrkräfte der Lesung und Erzählung des „Schriftstellers“. Ungezwungen und authentisch warb Christoph Kramer fürs Lesen, zu dem er erst im Erwachsenenalter mit dem Buch „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf zurückgefunden habe, denn Schullektüren hätten ihn eher abgeschreckt. Da würden oft Themen behandelt, die mit der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen wenig bis nichts zu tun hätten und das müsse sich ändern.
„Lesen macht was Neues auf!“
Seit er wieder lese, habe sich sein Schlaf verbessert – „Ich lese abends immer ca. 20 Minuten“ – und seine Fantasie sei wieder angeregt worden. Besonders in einer so hektischen Zeit wie der heutigen, sorge Lesen für Entschleunigung und Ruhe, die wir alle benötigen. Zum Schreiben kam Christoph Kramer als es mit dem Fußball bergab ging und er nach einer Beschäftigung suchte, die ihm die Freude zurückbrachte.
Durch Freude werden Leistungen besser. Wenn ihr mit Freude bei der Sache seid, dann ist das keine Arbeit.
„Wir Schriftsteller“, begann er lächelnd, haben da so unsere Eigenheiten. So habe er sich einen alten hölzernen Schreibtisch und einen Cardigan gekauft sowie eine Schirmmütze. Kleider machen eben Leute und dieses Flair benötige er, wenn er am Abend zu schreiben beginne. Sein erster Roman „Das Leben fing im Sommer an“ ist autobiographisch und handelt von der Liebe. Kramer lässt die Geschichte im Jahrhundertsommer 2006 spielen, dem Jahr, in dem „die Welt zu Gast bei Freunden“ war und die Fußball-WM Begeisterung, Offenheit und Patriotismus beflügelte.
„Ich wünschte, ihr hättet diesen Sommer schon erlebt. Flagge zeigen war gut und so leicht.“, Auch heute sei es wieder gefordert oder sogar dringend geboten, Flagge zu zeigen und sich zu engagieren angesichts von Rassismus und gesellschaftlicher Spaltung. Sein Manuskript schickte Kramer anonym an vier Verlage, denn für ihn zählte die Rückmeldung zum Text und nicht sein Name. Die Rückmeldungen waren sehr positiv und am Ende veröffentliche er seinen Erstling bei „Kiepenheuer und Witsch“ (KiWi). Beim Erscheinungstermin stand sein Roman nur in Konkurrenz zum parallel erschienenen Buch von Altkanzlerin Frau Dr. Merkel – welche Ehre.
Was er privat liest? Bücher mit Tiefgang. Musikalisch sei er eher klassisch deutsch unterwegs – Herbert Grönemeyer oder Clueso fänden sich in seiner Playlist.
Neben Fragen zur Literatur durften Fußballfragen nicht fehlen. Ronaldo oder Messi? beantworte Kramer diplomatisch mit: „Der eine ist der beste Fußballer der Welt, der andere ist nicht von dieser Welt; und das ist Messi.“
Kramer war äußerst angetan von den Fragen der Schüler:innen und beantwortete alles ausführlich. Eine Schreibblockade sei ihm bis jetzt erspart geblieben, aber es gäbe schon Kapitel, die ihm schneller von der Hand gingen. Seine Gedanken schreibt er in ein Notizbuch und formuliert sie dann für sein Buch aus.
Am Ende blieb Zeit für Autogramme und Fotos bevor Christoph Kramer aufbrach, um weiter im Rahmen der Aktion „Heimspiel. Autor*innen von hier lesen im Revier“ unentgeltlich aus seinem Buch zu lesen und von sich zu erzählen. Seid gespannt auf mehr von Christoph Kramer, denn sein Buch kommt ins Kino und am nächsten Roman – dieses Mal fiktiv – arbeitet er schon. Darin geht es um das Thema Chancen und Dankbarkeit für die scheinbar alltäglichen Dinge des Lebens.
Danke an Christoph Kramer und das Literaturbüro Ruhr sowie an unsere „Haustechnik“ – die AFV3, unsere Veranstaltungstechniker:innen aus dem dritten Lehrjahr sowie den „Teamchef“ Herrn Seeber für das professionelle Setting. Wie immer großartig!