Die Hölle von Breendonk - ein Mahnmal gegen Unmenschlichkeit

Am 20. Februar 2026 machten sich die Klassen DWV2 und DWV3 auf den Weg nach Belgien, um das ehemalige SS-Durchgangslager Fort Breendonk zu besuchen. Die Festung war ursprünglich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Teil eines Verteidigungsrings um Antwerpen gebaut worden und sollte die wichtige Hafenstadt vor Angriffen aus dem benachbarten Ausland schützen. Nach der Besetzung Belgiens durch die Nationalsozialisten im Jahr 1940 wurde das Fort jedoch in ein Haft- und Durchgangslager umgewandelt, in dem politische Gefangene, Widerstandskämpfer sowie Jüdinnen und Juden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden.

Gemeinsam mit einer Lerngruppe einer Gesamtschule aus Recklinghausen und unterstützt durch den „Kinderlehrhaus e.V.“ von Frau Koch sowie die Stiftung „Die Zukunftswerker“ fuhren die Schülerinnen und Schüler mit dem Bus zur heutigen Gedenkstätte. Schon während der Fahrt erhielten sie erste Informationen zur Geschichte des Forts, zur deutschen Besatzung Belgiens und zur Bedeutung des Lagers im System der nationalsozialistischen Verfolgung. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem belgischen Widerstand, der trotz großer Gefahr Sabotageakte, geheime Treffen und Hilfe für Verfolgte organisierte.

Der Stiefel steht für die Unterdrückung und Entmenschlichung, die sich nie wiederholen darf.
Im sogenannten "Casino" der SS wurden Menschen ohne Prozess zum Tode verurteilt und hier betrank sich die SS nach einem "erfolgreichen" Tag. Hinweis zum Bild: Das Zeigen von NS-Symbolik dient der Information, nicht der Verherrlichung der NS-Diktatur.

Die Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten von Verfolgten wie dem späteren Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, oder dem KZ-Überlebenden Hans Mayer, der sich später Jéan Améry nannte und sich 1978 das Leben nahm, machte die historischen Fakten persönlich greifbar. Ihre Biografien zeigen, wie sehr Erniedrigung, Folter und Entmenschlichung das weitere Leben der Überlebenden prägten und welche seelischen Wunden die Erfahrung von Haft und Gewalt hinterließ. Für die Schülerinnen und Schüler wurde dadurch deutlich, warum Orte wie Breendonk nicht nur historische Lernorte, sondern auch Mahnmale gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit in der Gegenwart sind.

In einer Führung konnten die beiden Gruppen ansatzweise nachempfinden, unter welchen Lebens- und Arbeitsbedingungen die Inhaftierten in Breendonk ausgesetzt waren. Die Zahl der Gefangenen schwankte stark; in Spitzenzeiten waren mehrere Hundert Menschen gleichzeitig im Lager eingesperrt, unter ihnen politische Gegner, Widerstandskämpfer sowie Jüdinnen und Juden. Kaum ausreichende Verpflegung führte dazu, dass viele Häftlinge extrem abmagerten; manche wogen nur noch etwas mehr als ein Kind, was auf historischen Fotos und Berichten besonders eindrücklich sichtbar wird.

Der gleiche Mann nach drei Monaten Aufenthalt in Breendonk wog noch so viel wie ein Kind und starb kurz nach dieser Aufnahme an den Folgen der Misshandlung.

Tod durch „Grasgenuss“ oder „Herzinsuffizienz“ – so lauteten einige der offiziell angegebenen, teils bewusst verschleiernden Todesursachen. In Wahrheit starben viele Inhaftierte an völliger Erschöpfung, an Krankheiten, die durch Mangelernährung und katastrophale Hygiene begünstigt wurden, oder infolge brutaler Misshandlungen und Folter. Tatsächlich bissen einige Gefangene buchstäblich „ins Gras“, weil es nichts anderes an Essbarem mehr gab. Schwere, oft völlig sinnlose körperliche Arbeiten, wie das stundenlange Schaufeln von Erde oder das Schleppen von schweren Lasten ohne erkennbaren Zweck, gehörten zum Alltag und dienten vor allem dazu, die Häftlinge zu brechen.

Auch die hygienischen Bedingungen waren menschenunwürdig. Über lange Zeit standen den Gefangenen keine Toiletten im eigentlichen Sinne zur Verfügung. Stattdessen wurden sie gezwungen, dicht nebeneinander auf einer großen Tonne sitzend ihre Notdurft zu verrichten – ohne Privatsphäre, im beißenden Gestank und ständig der Demütigung ausgesetzt. Duschen war einmal pro Monat möglich – kalt! Diese Kombination aus Hunger, Schwerstarbeit, Gewalt und gezielter Entwürdigung machte Breendonk zu einem Ort, an dem die systematische Entmenschlichung, denn die Gefangenen galten als so genannte „Untermenschen“ an der Tagesordnung war. Ein Ort der Willkür, von dem der Künstler und Häftling in Breendonk, Jacques Ochs, einige Taten in Zeichnungen festhielt.

Nicht nur der Hund von SS-Lagerkommandant Philipp Schmitt war ein „Lump“ – so hieß er wirklich – sondern auch das Personal von Breendonk. Unterstützt durch die flämische SS, d.h. Belgier, die sich so vor dem Kriegseinsatz „drücken“ konnten, kontrollierten sie das Lager. Breendonk war auch als „Hölle von Breendonk“ bekannt und für manche war es nur die erste Station auf dem Weg in weitere Konzentrations- oder Vernichtungslager.

Breendonk zählt zu den am besten erhaltenen Lagerkomplexen in Europa und das dort Gesehene und Gehörte beeindruckte die Schülerinnen und Schüler zutiefst. Die relativ unveränderten Mauern, Baracken, Wachanlagen und Innenräume machen bis heute sichtbar, wie eng, dunkel und bedrohlich der Alltag der dort Inhaftierten gewesen sein muss. Bei der Führung wurde deutlich, dass dieser Ort nicht nur historische Fakten vermittelt, sondern durch seine Authentizität direkt unter die Haut geht und viele der Jugendlichen spürbar zum Nachdenken über Menschenwürde, Verantwortung und Zivilcourage brachte.

In der Folterkammer erlebten die Häftlinge unvorstellbares Leid.

Im Anschluss an den Besuch des Durchgangslagers Breendonk fuhren wir zum Soldatenfriedhof in Lommel, auf dem mehr als 39.000 Menschen begraben liegen – vor allem, aber nicht nur, deutsche Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie weitere Kriegsopfer. Auf dem Friedhof ruhen nicht nur Opfer von Krieg und Gewalt, sondern auch Täter – so auch der ehemalige Kommandant von Breendonk, Philip Schmitt, dessen Grabkreuz bewusst ohne Namensnennung gestaltet wurde, damit dieser Ort weder zur Pilgerstätte für Neo-Nazis noch zum Ziel von Vandalismus oder Grabschändung wird. Diese Ambivalenz des Ortes machte den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass Erinnerungskultur immer auch mit schwierigen Fragen nach Schuld, Verantwortung und einem respektvollen Umgang mit den Toten verbunden ist.

Abschließend noch einige O-Töne und Eindrücke der Teilnehmer/innen von der Gedenktstättenfahrt:

Lasst uns dazu beitragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Nie wieder ist jetzt oder, wie es der deutsche Liedermacher Hannes Wader in seinem Lied besingt „Es ist an der Zeit“. Herzlichen Dank an Frau Koch sowie an Herrn Dr. Kasperek für die Finanzierung und Durchführung der Fahrt.